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Rückkehr einer verschwundenen Chronik nach Cheb/Eger

Einzigartige Entdeckung auf einem Flohmarkt in Frankfurt am Main

Rückkehr einer verschwundenen Chronik nach Cheb/Eger

Einzigartige Entdeckung auf einem Flohmarkt in Frankfurt am Main

Johann Thomas Funk war während der Zeit des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740 bis 1748) Bürgermeister von Eger. Die Habsburger Monarchie stand damals am Abgrund, denn Maria Theresias Anspruch auf ihr Erbe wurde von mehreren Mächten Europas nicht anerkannt. Auch Eger hatte unter diesem Krieg zu leiden: Als Marschall Charles Louis Auguste Fouquet, Herzog de Belle-Isle, der Oberbefehlshaber der französischen Truppen, im Winter 1742/43 zum Rückzug gezwungen war, erreichte er im Januar – mitten durch die gegnerischen Streitkräfte – mit 8000 Mann das für ihn relativ sichere Eger und besetzte die Stadt.

In einer Chronik von 990 Seiten beschrieb Bürgermeister Funk die Egerer Geschichte, bis zu dieser Belagerung durch die Franzosen: „Was sich in dem Jahre 1743 in Eger zugetragen, absonderlich der Bloquade…“

Dieses historische Dokument galt seit langer Zeit als verschollen.

 

Vor einigen Wochen erhielt Frau Dr. Marcela Brabačová, die Leiterin der Kulturabteilung von Cheb, eine zunächst rätselhafte Mail: Die Absenderin gab an, eine alte Egerer Handschrift zu besitzen und fragte an, ob die Stadt an einem Kauf interessiert sei. Später schickte sie einige Fotos, von einem sehr alten Buch. Es fehlt aber der Einband und die Seiten sind offensichtlich stark beschädigt. Trotz dieser Mängel verlangte die Besitzerin 1000,- Euro dafür.

Der Historiker Dr. Miloš Říha, ehemaliger Kastellan des Schlosses Kynžvart, war dennoch von diesem Angebot begeistert, denn er erkannte sofort „Es ist ein verlorenes Unikat. Es gibt historische Schriften über Eger, in denen diese Chronik genannt wird.“ Laut Říha ist der Wert dieser Schrift deutlich höher als der geforderte Preis.

Im Auftrag des Stiftungsfonds Historisches Cheb fuhr der Historiker zu der Besitzerin nach Unterfranken, stellte dort fest, dass es sich tatsächlich um ein außergewöhnliches Angebot handelte, und kaufte das Buch sofort. Die Dame gab an, dass ihre Großmutter die Chronik Anfang der 1980er Jahre auf einem Flohmarkt in Frankfurt entdeckt hatte. Sie vermutet, dass diese Schrift bei der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg aus Eger mitgenommen wurde.

Der Stiftungsfonds möchte nun diese Chronik aus dem Jahre 1743 restaurieren, digitalisieren und auch ins Tschechische übersetzen lassen, damit sich jeder, über das Internet, aus diesem Buch über die Geschichte der Stadt informieren kann.

Auch für die Leser im Stiftland wird die Veröffentlichung dieser historischen Beschreibungen sehr interessant: „von dem Aufnehmen der Stadt Eger; item von dem Stift Waldsassen“ ist die Überschrift für die Seiten 22 bis 30, „wie das Stein-Haus in Eger an das Stift Waldsassen gekommen“ wird auf den Seiten 57 und 58 beschrieben.

Bürgermeister Antonín Jalovec ist sehr zufrieden: „Wir haben herausgefunden, dass zum Beispiel auch die umfangreiche Chronik, die Karl Huss, der letzte Egerer Henker, geschrieben hat, noch nicht ins Tschechische übersetzt wurde. Deshalb haben wir die Übersetzung in Auftrag gegeben. Ebenso möchten wir auch diese neu erworbene Chronik übersetzen lassen, damit die heutigen Einwohner der Stadt sie kennenlernen können “.

 

Günther Juba

Fotos (Miloš Říha und Martin Stolař):

Die Chronik hat keinen Einband und die Seiten sind beschädigt.

Bericht über die Einnahme der Stadt durch französische Truppen im Jahre 1743

Dr. Miloš Říha zeigt Bürgermeister Antonín Jalovec die Chronik.

 

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 18.11.2020 / 18.11.2020

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