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Richtfest vor dem Egerer Rathaus

Richtfest vor dem Egerer Rathaus Dachstuhl, erstellt wie vor 700 Jahren

Richtfest vor dem Egerer Rathaus

Dachstuhl, erstellt wie vor 700 Jahren

 

Die Festwoche für den ältesten Dachstuhls in Böhmen endete, wie vor 700 Jahren, mit einem feierlichen Richtfest. Nur mit historischen Werkzeugen, so wie die Zimmerleute bei der Kirche „Mariä Verkündigung“ des Klosters der Franziskaner gearbeitet hatten, führte man auf dem Marktplatz vor, wie man nur mit Äxten aus Baumstämmen Balken fertigte und wie daraus ein Dachstuhl entstand. Täglich waren Schulklassen dabei, und die Zuschauer durften sogar einige der Tätigkeiten selbst erproben.

Zimmerermeister Petr Ružička, der Leiter der Aktion, stellte fest: „Es war eine mühevolle Arbeit, denn die Axt war das einzige Hilfsmittel, aber man fühlte sich frei, denn man konnte eigene Lösungen entwickeln – und das Ergebnis war viel stabiler als heutzutage.“

Zur Abschlussfeier waren Zimmerleute aus Bayern und Sachsen in ihrer „Kluft“ angereist.

Jiří Černý, zweiter Bürgermeister von Cheb, stellte fest, dass mit dieser Projektwoche seine Erwartungen weit übertroffen wurden. Der Bauhistoriker Michal Panáček gab einen Rückblick auf die geleisteten Arbeitsschritte, würdigte die Leistungen der mittelalterlichen Zimmerleute und dankte allen Beteiligten für die Arbeit in den vergangenen Tagen.

Anstelle des katholischen Pfarrers segnete Methodius Vít Kout, Pope der orthodoxen Kirchengemeinde von Franzensbad, in feierlicher Zeremonie den neuen Dachstuhl, der zwar nicht auf dem Marktplatz bleiben kann, stattdessen aber im Garten einer sozialen Einrichtung auf ein neues Haus gesetzt werden soll, in dem die Egerer Bürger die Gelegenheit bekommen, in einem traditionellen Backofen ihr eigenes Brot zu backen.

Karl Müller, Träger der goldenen Ehrennadel des bayerischen Zimmererhandwerks, trug dann, zu Ehren seiner tschechischen Kollegen, den Richtspruch vor:

 

„ … Es war vor siebenhundert Jahren,

so konnten wir staunend wir erfahren,

dass für den Franziskanerorden

der Kirchenbau ist fertig worden.

 

Der Dachstuhl, den der Abt gesegnet,

uns wie ein Wunder heut‘ begegnet,

ein Bau von unschätzbarem Wert.

der seine Zimmerleute ehrt. …“

 

In Anerkennung der Leistungen des tschechischen Handwerkerteams überreichte Karl Müller dem Leiter der Projektwoche, Petr Ružička, einen deutschen Zimmermannshut.

Der Redner vergaß auch nicht, Frau Brabačová zu würdigen, die diese Festwoche organisiert hatte. „Ihr ist es auch zu verdanken, dass man jetzt sogar in Deutschland und in Österreich die Arbeit der Egerer Zimmerleute bewundert.“

Für einen heiteren Abschluss der Feier sorgten die Zimmerer aus Sachsen, die einen alten Zunftbrauch, den sog. Zimmermannsklatsch, vorführten: „Wer schaffen will, muss fröhlich sein!“

 

Günther Juba

Foto:

Die Gäste aus Sachsen zeigten, was ein „Zimmermannsklatsch“ ist.

Karl Müller bei seinem Richtspruch

Ein deutscher Zimmermannshut für Petr Ružička

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 9.9.2019 / 9.9.2019
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