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Festjahr für die Kunst der Zimmerleute

Der älteste Egerer Dachstuhl wurde vor 700 Jahren errichtet.

Festjahr für die Kunst der Zimmerleute

Der älteste Egerer Dachstuhl wurde vor 700 Jahren errichtet.

 

Eine Besonderheit der Egerer Patrizierhäuser sind die hohen Dächer, unter denen auf drei Stockwerken genügend Platz war, alle Vorräte und Handelsgüter diebstahlssicher zu lagern. Obwohl die ältesten Dachstühle noch aus der Zeit des Mittelalters stammen, sind alle bis heute unverändert erhalten geblieben und deshalb eine einzigartige Sehenswürdigkeit der Stadt. Auf einer Besuchertrasse kann man besichtigen, was die Zimmerleute – nur mit Muskelkraft und einfachem Werkzeug – vor Jahrhunderten geleistet haben.

 

Am erstaunlichsten ist aber der mittelalterliche Dachstuhl über der Klosterkirche der Franziskaner „Mariä Verkündigung“, denn es ist bereits 700 Jahre her, als man hier das Richtfest feiern konnte. Mit Hilfe der „Dendrochronologie“, der Altersbestimmung von Holz aufgrund seiner unterschiedlich breiten Jahrringe, war diese genaue Datierung (anno 1319) möglich. Demnach handelt es sich um den ältesten Dachstuhl auf dem Gebiet der Tschechischen Republik.

Dieser 700. „Geburtstag“ soll als Festjahr zur Erinnerung an die Handwerkskunst der Egerer Zimmerleute gefeiert werden.

 

Frau Dr. Marcela Brabačová, Leiterin der Abteilung für Kultur und Fremdverkehr und Vorsitzende des Stiftungsfonds „Historisches Cheb/Eger“ plant von Mai bis September eine Ausstellung:

„Die ursprüngliche und die jetzige Gestalt des Dachstuhlchors wird präsentiert werden.“ Nach einer genauen Vermessung und Untersuchung des Dachstuhls durch den Bauhistoriker Michal Panáček sind Fachvorträge und geführte, kommentierte Besichtigungen geplant.

 

Vom 2. – 9. September findet ein Workshop über das Zimmermannshandwerk statt. Auf einem „Marktplatz“ im Gartenschaugelände wird eine Schau zur historischen Arbeitsweise der Egerer Zimmerleute veranstaltet. Die Tätigkeit der Handwerker – das Projektieren, die Vorbereitung und Bearbeitung des Materials – kommentiert ein Bautechniker. Dazu gibt es Veranstaltungen für Eltern mit Kindern und Fachleute. Für die Schulklassen aus der ganzen Region werden Workshops mit Erklärung und Arbeitsblättern vorbereitet.

Höhepunkt dieser Veranstaltung ist ein historisches Richtfest am Samstag, den 7. September 2019, zu dem zahlreiche Besucher aus Böhmen und Bayern erwartet werden.

 

Von Mai bis September 2019 findet in der Kirche des Franziskanerklosters eine Ausstellung von Dachstuhlmodellen historischer Bauten statt. Neben den beiden Modellen von Josef Hauer sind noch zwölf weitere Holzdachstuhlmodelle zu sehen, eine Leihgabe des Lehrstuhls für Baugeschichte und Denkmalpflege der Technischen Universität München.

Im Oktober 2019 findet eine internationale Konferenz für Fachleute statt: Mitglieder der gesamtdeutschen Arbeitsgruppe Arbeitskreis Dachwerke, Mitglieder des Bundesamtes für Denkmäler Wien und weitere Gäste werden daran teilnehmen.

 

Frau Dr. Brabačová hat noch weitere Vorhaben, die ihre Bewunderung für die Kunst der Egerer Zimmerleute erkennen lassen: „Eine Vision, die sich bald verwirklichen lassen könnte, ist die Errichtung eines mitteleuropäischen Zentrums historischer Dachstühle in zwei Häusern des Stöckl, mittelalterliches Wahrzeichen der Stadt. Und so ein Zentrum bedeutet eine Menge neuer und schöner Arbeiten und Aufgaben in den Bereichen Bildung, Präsentation und Zusammenarbeit mit den Ländern, die das europäische Kulturerbe pflegen. Das ist eine neue Herausforderung und so eine, wie ich sie mag!“

 

Günther Juba

 

Fotos:

Modell des Dachstuhls der Franziskanerkirche von Josef Hauer

Ein kleines Kunstwerk unter dem Dach der Franziskanerkirche: Vor 700 Jahren hat einer der Zimmerleute in das Gebälk mit dem Messer eine Burg eingeritzt.

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 4.3.2019 / 4.3.2019

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