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Das Egerer „Antependium“

Altarschmuck aus dem Mittelalter

Das Egerer „Antependium“

Altarschmuck aus dem Mittelalter

 

Im Egerer Bezirksmuseum ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Kunsthandwerks aus der Zeit um 1300 zu sehen: ein „Antependium“ (lat. für Altarvorhang, von „ante“ vor und „pendere“ hängen). Diese außergewöhnliche romanische Stickerei aus Perlen, Glasperlen und Korallen wurde im Kloster der Klarissinnen für die Doppelkapelle auf der Burg geschaffen.

 

Der Verkauf von religiösen Handarbeiten, von Altartüchern und Messgewändern, Ein­fas­sun­gen von Re­li­quien mit Silber- und Gold­draht, kunstvoll verzierte Wachs­ker­zen, Hostien und süße Spezialitäten aus der Bäckerei, sowie Heilmittel aus der Apotheke, gehörten zu den wichtigsten Einnahmequellen der Frauenklöster. Das Antependium für den Altartisch der Burgkapelle ist ein herausragendes Beispiel für die hohe Kunstfertigkeit der Nonnen.

 

Dieser einzigartige Altarvorhang aus dem Mittelalter ist 90cm hoch und 2,18m breit. Er ist mit den Darstellungen von Heiligen, in drei waagrecht angeordneten Bildfolgen, bestickt.

In der obersten Reihe sind die Häupter von Jesus und der Heiligen Maria, inmitten der zwölf Apostel, dargestellt. Darunter befinden zwei Arkadenreihen, unter denen je zehn Heilige stehen.

Bei dem Spruchband über den beiden  Bogenfriesen ist leider der Sinn „nicht mehr zu enträtseln, da anlässlich einer Restaurierung in der Barockzeit die einzelnen Buchstaben willkürlich, zum Teil sogar verkehrt, aufgesetzt worden sind“. (Heribert Sturm)

 

Eine Besonderheit ist, dass die Säulen der Arkaden teilweise mit Hakenkreuzen verziert sind. Dies sollte aber nicht falsch verstanden werden: Dieses Zeichen ist schon seit Jahrhunderten im Hinduismus und Buddhismus religiöses Glückssymbol und „Rad des Lebens“. Auch in einigen christlichen Kirchen, in der islamischen Kunst und sogar in alten Synagogen kann man es finden. Bei den Egerer Klarissinnen dürfte es als Zeichen eines christlichen Lebenslaufes, in dessen Mitte das Kreuz steht, verstanden worden sein. Erst in der Zeit des sog. Dritten Reiches wurde das Hakenkreuz zum Symbol nationaler Überheblichkeit.

 

Als die Egerer Burg an Bedeutung verlor – 1467 residierte hier als letzter Herrscher der König Georg von Podiebrad – stand auch die Burgkapelle allmählich nur noch im Abseits. Das Antependium wurde daraufhin in der St.-Jodok-Kirche als Altarschmuck verwendet. Im Jahre 1874 wurde es zur sicheren Aufbewahrung in das Museum (Pachelbelhaus) gebracht.

 

Eine Besichtigung dieses mittelalterlichen Kunstwerks ist derzeit nicht möglich, da das Egerer Bezirksmuseum 2019 wegen Renovierungs- und Umbauarbeiten (u. a. neue Heizung und Elektroinstallation) ganzjährig geschlossen ist.

Außerdem soll jetzt der volkskundliche Kachelofen des Bildhauers Willy Russ, der im November 2018 – nach einem Rechtsstreit mit Loket – der Stadt Cheb/Eger als Eigentum zuerkannt wurde, aus der Burg in das Museum überführt werden.

 

Günther Juba

 

Foto:

Das Antependium im Bezirksmuseum Cheb/Eger

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 25.3.2019 / 25.3.2019

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