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Abraham Leuthner, in Eger und in Waldsassen

Abraham Leuthner, in Eger und in Waldsassen Baumeister im Dienste der Dominikaner und der Zisterzienser

Abraham Leuthner, in Eger und in Waldsassen

Baumeister im Dienste der Dominikaner und der Zisterzienser

 

Im Jahre 1661 wurden drei Mönche aus dem Fürstenfeld nach Waldsassen entsandt, um hier das seit 1556 verlassene Zisterzienserkloster wieder aufzubauen. Ihnen folgte 1676 als Pfarrvikar Albert Hausner, der spätere Abt. Er glaubte, dass Waldsassen nach dem Neubeginn auch die 1543 verlorene Reichsunmittelbarkeit zurückgewinnen könne. Die Größe der künftigen Stiftskirche und der Konventsgebäude hatte deshalb der erstrebten Bedeutung des Klosters zu entsprechen.

 

Für einen repräsentativen Neubau kam nur der beste Architekt in Frage: Abraham Leuthner von Grundt (Búrger und Maúrer Master der Königl. Newen Stadt Prag) hatte im Jahre 1677 eine Sammlung mit Beispielen aus seinen Bauentwürfen veröffentlicht: „Grundtliche Darstellung, Der Fünff Seüllen wie solche … verfasset worden“. Dieses Traktat muss dem späteren Abt von Waldsassen bekannt gewesen sein. Ein Beispiel für diesen neuartigen barocken Baustil war in der nahegelegenen Stadt Eger zu besichtigen, wo der Verfasser der Schrift gerade tätig war.

 

Seit dem Jahre 1674 stand hier Abraham Leuthner im Dienste des Dominikanerordens, denn die ehemalige, zur Zeit des Königs Wenzel II. in den Jahren 1294 bis 1296 erbaute Wenzelskirche war nach dem Dreißigjährigen Krieg nur noch eine Ruine, ein Teil der Klostergebäude war eingestürzt. Den barocken Neubau der Dominikanerkirche vollendete Abraham Leuthner im Jahre 1684. (Die Konventsgebäude konnten allerdings erst, nach dem Abbruch weiterer Häuser in der Steingasse, im Jahre 1720 von Andreas Burgler fertiggestellt werden.)

 

Die Pläne für die Kirche und das Kloster Waldsassen hatte Leuthner bereits in den Jahren 1681/1682 angefertigt, und so konnte seine Bauhütte hier schon 1685 mit der Arbeit beginnen. Als Leuthner aber 1688 zum Festungsbaumeister in Eger, später sogar zum kaiserlicher Oberbau- und Schatzmeister in Böhmen ernannt wurde, waren langfristige Aufenthalte in Waldsassen nicht mehr möglich. Georg Dientzenhofer, sein Bruder Christoph und schließlich Bernhard Schießer vollendeten das Werk.

 

Die von Abraham Leuthner von 1674 bis 1684 errichtete Wenzelskirche ist viel kleiner als der danach erstellter Bau in Waldsassen. Sie besitzt keinen Turm, keine Kuppel und auch kein Querschiff. Ungewöhnlich ist, dass diese Kirche „verkehrt herum“ gebaut wurde: Man verzichtete auf die Ausrichtung am Sonnenaufgang. Während sich früher der Altar im Osten und der Eingang im Westen befand, sollte künftig das Portal an der belebten Steingasse sein – den Menschen zugewandt und zum Besuch der Kirche einladend. Eine zweiseitige Treppe führt hinauf und das erhöhte Eingangstor schafft Abstand vom Alltag.

Eine weitere Besonderheit ist, dass dieses Portal vom österreichischen Doppeladler gekrönt wird. Dies geschah zum Dank für eine großzügige Spende, welche Kaiser Leopold I. für den Kirchenbau zur Verfügung gestellt hatte.

 

Im Inneren der Wenzelskirche sind wunderbare barocke Kunstwerke der Egerer Bildhauer Christoph Lang und Melchior Dietrich zu sehen. Allerdings bildet der Hochaltar eine Ausnahme: In einer Zeit, in der die Prachtentfaltung des Barock als „altmodisch“ erschien, ersetzte man den ursprünglichen Altar (1880) durch einen Neorenaissancealtar. Das Gemälde für den ehemaligen barocken Hochaltar hatte der Maler Jean Claude Monot geschaffen.

 

Albert Hausner, seit 1690 Abt des Klosters Waldsassen, muss von diesem Kunstwerk so begeistert gewesen sein, dass er Monot den Auftrag erteilte, in seiner Stiftskirche (heute Basilika) ebenfalls das Altarbild zu gestalten. Seine Darstellung vom Tod Jesu Christi beeindruckt die Besucher schon beim Eintritt in die Kirche so sehr, dass sogar die einzigartigen „Heiligen Leiber“ in den Seitenaltären erst viel später beachtet werden.

 

 

Nachtrag:

Nachdem die Stiftskirche eingeweiht war, versuchte Abt Albert Hausner zweimal vergeblich (1707 und 1709), in Wien die Reichsunmittelbarkeit seines Klosters wiederzuerlangen.

 

Günther Juba

Fotos:

Kirche und Kloster der Dominikanerkirche in der Steingasse

Das Portal der Wenzelskirche

Blick in das Innere der Kirche

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 13.2.2019 / 13.2.2019
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