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Ein geöffneter Vorhang und zerrissene Ketten

Mahnmal für die Opfer am Eisernen Vorhang

Wenn man von Cheb/Eger nach Waldsassen fährt, sieht man im Wald zwischen Svatý Kříž und dem Grenzübergang ein eisernes Denkmal.

 

Es handelt sich um eine Gedenkstätte für die Opfer des Eisernen Vorhangs.

Diese ist den 82 Menschen gewidmet, die von 1948 bis 1981 beim Versuch, die Grenze von der Tschechoslowakei nach Deutschland zu überwinden, erschossen wurden oder auf eine andere Weise hier ums Leben kamen.

 

Das Kunstwerk zeigt, dass es hier den Eisernen Vorhang gab. Allerdings ist dieser leicht geöffnet, dazwischen sind zerrissene Ketten zu sehen.

Dies steht als Symbol für den Weg in die Freiheit, den viele Flüchtlinge suchten, aber leider nicht zu Ende gehen konnten.

Der linke Teil des Vorhangs trägt die Aufschrift „obětem železné opony“ (den Opfern des Eisernen Vorhangs), rechts stehen die Todesjahre und die Namen der ermordeten Menschen.

 

Der Künstler, der dieses Denkmal geschaffen hat, Antonín Kašpar, sagte hierzu:

„Der Hauptgedanke dieses Mahnmals sind die gesprengten Ketten.

Wir versuchten damit das Gefühl auszudrücken, das diejenigen kurz vor dem eigenen Tod erlebt haben, deren Namen hier an den Tafeln verewigt sind.

Das bedeutet, dass sie sich zu der Tat entschlossen haben und auf eigene Art und Weise die Freiheit erlebt haben, wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Jeder der hier erwähnten Namen ist eine persönliche Tragödie eines Menschen und selbstverständlich auch seiner Familie“.

 

Die Entstehung dieser Gedenkstätte ist einer Initiative des Historikers Václav Jiřík zu verdanken:

„Hierbei handelt es sich nicht um irgendeine Zurschaustellung, sondern in erster Linie geht es darum, sich bewusst zu werden, was in der Geschichte alles angestiftet werden kann. … Der Anstifter von allem Glück oder Unglück ist verständlicherweise wiederum nur der Mensch.“

 

Dieses gewaltige Mahnmal, das auf der ehemaligen Grenzanlage steht, wurde am 27. Juni 2006 feierlich eingeweiht.

Neben dem Bürgermeister der Stadt Cheb Jan Svoboda, dem katholischen Pfarrer Philip Zdeněk Lobkovicz und dem Hauptmann des Karlsbader Bezirkes Josef Pavel, war auch der erste tschechische Außenminister nach der Wende, Jiří Dienstbier, anwesend.

(Jiří Dienstbier hatte am 23. Dezember 1989 gemeinsam mit dem deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Stacheldraht zwischen Deutschland und Tschechien durchschnitten.)

 

Das Datum für die Einweihung dieses Denkmals wurde bewusst gewählt:

Es war der 56. Jahrestag der Hinrichtung von Milada Horáková.

 

Diese mutige Frau gilt in Tschechien als Märtyrerin für die Freiheit ihres Volkes.

Milada Horáková hatte gegen die nationalsozialistische Besetzung ihres Landes gekämpft und war zwei Jahre in einem Konzentrationslager eingesperrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg protestierte sie 1948 als Abgeordnete im Parlament gegen die kommunistische Machtergreifung. Deshalb wurde nun sie wieder eingesperrt. 1950 wurde ihr wegen „antisowjetischer Konspiration“ und „Hochverrats“ der Prozess gemacht.

Milada Horáková wurde zum Tode verurteilt und endete trotz internationaler Gnadengesuche – darunter auch eines von Albert Einstein – am Strang.

Das Urteil gegen die Angeklagte stand schon fest, bevor der Prozess überhaupt begonnen hatte. Die allmächtige Partei wollte ihre Gegner entmutigen. Man wollte Milada Horáková „liquidieren“, und deshalb gab es auch kein Grab für sie – so, als hätte es sie nie gegeben.

 

Aber Milada Horáková ist dennoch nicht In Vergessenheit geraten.

Ihr Todestag, der 27. Juni, wird in Tschechien als Gedenktag an die Opfer des kommunistischen Regimes begangen. Im Ehrenfriedhof, auf dem Vyšehrad in Prag, erinnert ein leeres Grab an diese mutige Frau.

 

Das Mahnmal am ehemaligen Eisernen Vorhang zwischen Cheb und Waldsassen erinnert deshalb nicht nur an diejenigen Menschen, die am Eisernen Vorhang ermordet wurden, sondern auch an Milada Horáková und ebenso an alle anderen Leute, die unter der kommunistischen Herrschaft gelitten haben.

 

Günther Juba

 

Fotos:

Das Mahnmal für die Opfer am Eisernen Vorhang

Ein leeres Grab im Ehrenfriedhof auf dem Vyšehrad erinnert an Milada Horáková

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 5.8.2014 / 5.8.2014

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