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Balthasar Neumann, der berühmteste Sohn von Cheb/Eger

Ein „Proportionalzirkel“ für seine Heimatstadt

Balthasar Neumann, war einer der größten Genies der deutschen Kunstgeschichte. Dieser Baumeister des Barock schuf einzigartige Kirchen und Schlösser, nicht nur in Franken, sondern vom Bodensee bis ins Rheinland. Die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und die Würzburger Residenz gehören zu seinen bekanntesten Bauwerken.

Noch vor wenigen Jahren konnte man täglich an ihn erinnert werden, denn er war seit 1991 auf dem 50-Mark-Schein abgebildet. Auf dieser Banknote sieht man den großen Barockbaumeister, mehrere seiner Bauwerke und ein Gerät, das den Namen „Proportionalzirkel“ trägt.

 

Balthasar Neumann wurde am 27. Januar 1687 als Sohn des Tuchmachers Johann Christoph Neumann und dessen Frau Rosina in der Schiffgasse Nr. 12 geboren. Er war das siebte von neun Kindern, und noch heute können wir uns vorstellen, dass er in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist, denn das Häuschen wurde einfach an die Stadtmauer, östlich der Nikolauskirche, angebaut. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an die Stelle, wo sich das Geburtshaus befand. Darauf ist in deutscher, tschechischer und englischer Sprache zu lesen: „Hier stand das Haus, in dem der Barockbaumeister Balthasar Neumann am 27. Januar 1687 geboren wurde.“

 

Vermutlich hat er sich schon in seiner Kindheit für die Baukunst des Barock interessiert, denn von 1685 bis 1704 erbaute man an der Stiftskirche im nahegelegenen Kloster Waldsassen. Von 1708 bis 1711 konnte er in Eger den Bau Klosterkirche der Klarissinnen beobachten.

Als 13-jähriger begann er seine Lehre als Geschütz- und Glockengießer bei seinem Paten Balthasar Platzer in Eger.

Mit 24 Jahren ging er auf Wanderschaft und kam so nach Würzburg. Aus einem Brief vom März 1712 geht hervor, dass er als Geselle bei dem sehr angesehenen Gießer Ignaz Kopp beschäftigt war.

Schon ein Jahr später – lange vor seiner glanzvollen Karriere als Baumeister – machte er eine Erfindung, die über zwei Jahrhunderte zur Berechnung von Konstruktionen verwendet wurde, ein  Gerät mit der Inschrift „Instrumentum Architecturae Inv(enit) et Fe(cit) Bal(thasar) Neumann“ (Instrument der Architektur, erfunden und erbaut von Balthasar Neumann), besser bekannt als „Proportionalzirkel“.

Das Instrument, gefertigt aus graviertem Messing, gehört zur Gruppe der Analogrechengeräte. Sie ermöglichten verschiedene Rechenoperationen durch einfaches Ablesen oder Abtragen, mit Hilfe eines Stechzirkels. Damit konnten auch die Proportionen der verschiedenen Säulenarten bequem abgelesen werden. Das Gerät stellte eine Erleichterung für die Konstruktion von Bauwerken dar, und machte zeitraubende Berechnungen, überflüssig.

Ähnliche Geräte gab es schon seit dem 16. Jahrhundert. Balthasar Neumann aber gelangen wichtige Verbesserungen, speziell für die Architektur von Gebäuden.

 

Im Jahre 1712 teilte Balthasar Neumann in einem Schreiben an den Egerer Stadtrat mit, was er schon alles gelernt hat und bat um Unterstützung beim Kauf von Büchern, Reißzeugen und Instrumenten. Man gewährte ihm zwei Darlehen, welche später ordnungsgemäß zurückgezahlt wurden. Ein Jahr danach reiste er zum Begräbnis seines Vaters nach Eger.

Bei dieser Gelegenheit verkaufte er der Stadt, am 6. Oktober 1713, ein Exemplar seines Messinstruments „Instrumentum Architecturae“ für 7 Gulden und 30 Kreuzer.

 

Als Balthasar Neumann später – als berühmtester Baumeister des Barock – eine ganz erstaunliche Zahl von wunderbaren Kirchen und Schlössern schuf, war dieser „Proportionalzirkel“ sicherlich eine unentbehrliche Hilfe, um dieses umfangreiche Lebenswerk zu ermöglichen.

 

Aus historischem Anlass – 300 Jahre nach dem Verkauf seines Proportionalzirkels an die Heimatstadt – ehrte Cheb/Eger im Jahr 2013 seinen berühmtesten Sohn: Auf dem Gelände der Gartenschau wurde, mitten in einem „Baltasar-Neumann-Barockgarten“, ein Denkmal mit der Darstellung seines „Proportionalzirkels“ aufgestellt.

 

Günther Juba

 

Bilder:

  • Gedenktafel an der Stelle der Stadtmauer, wo sich das Geburtshaus von Balthasar Neumann, befand
  • 50-DM-Schein, mit Balthasar Neumann und seinem Proportionalzirkel, gültig ab 1991
  • Nachbau des Proportionalzirkels, angefertigt für die Stadt Cheb/Eger im Jahre 2013
  • Der Proportionalzirkel als Denkmal im Barockgarten des Gartenschaugeländes

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 5.8.2014 / 5.8.2014

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