Egerer Madonna zu Besuch in ihrer Heimatstadt

Gotisches Meisterwerk in der Galerie der bildenden Kunst (GAVU)

Egerer Madonna zu Besuch in ihrer Heimatstadt

Gotisches Meisterwerk in der Galerie der bildenden Kunst (GAVU)

 

Dem 700. Geburtstag des Kaisers Karl IV. ist es zu verdanken, dass eine wunderschöne Egerer Madonna für kurze Zeit wieder in ihrer Heimatstadt besichtigt werden kann. Die gotische Darstellung der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind stammt aus der Franziskanerkirche „Mariä Verkündigung“. Bis zum 5. März wird diese Skulptur im zweiten Stockwerk der Galerie der bildenden Kunst GAVU (Galerie výtvarného umění v Chebu) ausgestellt sein.

 

Marcel Fišer, Direktor des Kunstmuseums, erklärt, wie es dazu kam: Für die gemeinsame bayerisch-tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ in Prag und in Nürnberg wurden aus Cheb die Skulptur einer thronenden Madonna und zwei Darstellungen des hl. Johannes entliehen.

Als Gegenleistung für diese Unterstützung hat die tschechische Nationalgalerie eine ehemals doppelseitige Madonna, geschaffen um das Jahr 1500 von einem unbekannten Künstler, der Egerer Galerie zur Verfügung gestellt.

„Ein sehr vorteilhafter Tausch,“ betont Marcel Fišer, „und es ist schade, das wir diese Skulptur nicht für immer hier behalten dürfen“.

 

Die 1,36m große Madonna war ursprünglich doppelseitig, spiegelbildlich, geschnitzt. Es handelt sich um eine sog. Rosenkranzmadonna, wie sie in der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten bei Volkach zu bewundern ist. Der unbekannte Schöpfer des Egerer Meisterwerks war Zeitgenosse von Veit Stoß und Tilman Riemenschneider.

Er stellt die Mutter Gottes als „Madonna Assumpta“ (in den Himmel aufgefahren) dar: Die Jungfrau mit dem segnenden Jesuskind auf dem Arm steht auf der Sichel des Halbmondes. Sie war einst von den Strahlen der Sonne und dem Rosenkranz umgeben.

Sie hing vom Gewölbe der Franziskanerkirche herab und diente sie der Meditation für die frommen Beter. Die Anmut und ihr demütiger, gütiger Blick nahmen den Betrachter gefangen und schenkten Vertrauen auf die Hilfe der Gottesmutter. „Im flackernden Licht der Kerzen muss die Mariengestalt den Kirchenbesuchern fast schon als lebendig erschienen sein“, meint Marcel Fišer.

 

Warum ist die Madonna nicht mehr doppelseitig und ohne den Rosenkranz?

 

Es ist nichts darüber bekannt, ob dieses wunderschöne Symbol frommer Marienverehrung im Laufe des Dreißigjährigen Krieges mutwillig zerstört wurde. Wahrscheinlich ist es erst in den Jahren kurz danach zu einem folgenschweren Unfall gekommen:

Vermutlich hatte die Kette, an der die Skulptur von der Decke herabhing, nach über 150 Jahren Rostschäden bekommen. Deshalb konnte sie das schwere Kunstwerk nicht mehr tragen. Durch den Sturz wurden die Strahlen der Sonne, sowie der Rosenkranz, zerschmettert. Außerdem muss eine der beiden Hälften der doppelseitigen Mariendarstellung weitgehend zerstört worden sein.

Man konnte nur noch alle beschädigten Teile entfernen, sogar die zerbrochene Seite des Schnitzwerkes. Leider ist darüber nur ein lapidarer Hinweis auf der Rückseite zu finden: „Renovirt 1655“. Die unversehrte Hälfte der ehemals doppelseitigen Madonna bekam danach einen Ehrenplatz auf einem Seitenaltar.

 

Wie auf deren Rückseite nachzulesen ist, wurde sie „Erneuert 1868 von J. Planer“.

Die Mariendarstellung blieb – trotz der schweren Beschädigungen – offensichtlich immer noch hoch verehrt. Allerdings hat man sie später nach Prag gebracht. So blieb sie bis heute im Besitz des Franziskanerordens.

 

Seit 1995 steht diese gotische Madonna im Prager Kloster der Heiligen Agnes (Anežský klášter) – als Leihgabe an die tschechische Nationalgalerie.

Bis zum 5. März 2017 kann sie im zweiten Stock der Kunstgalerie ihrer Heimatstadt Cheb/Eger besichtigt werden.

 

Die Galerie der bildenden Kunst ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen in der Tschechischen Republik. Außer den Skulpturen aus der Gotik sind hier vor allem zeitgenössische Kunstwerke, sowie Arbeiten aus dem vergangenen Jahrhundert ausgestellt.

Das Museum befindet sich in dem prachtvollen Barockbau des Architekten Giovanni Battista Alliprandi, neben dem Egerer Rathaus.

Es ist täglich, außer montags, von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Eintritt – gültig außerdem auch noch für den Besuch des Retromuseums nebenan – kostet 80 Kronen, für Senioren sowie für Schüler und Studenten 50 Kronen.

 

Günther Juba

 

Foto:

Die aus der Egerer Franziskanerkirche stammende Madonna kann z. Zt. in der Kunstgalerie GAVU besichtigt werden

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 1.11.2016 / 1.11.2016