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Rückkehr des ermordeten Feldherrn

Festspiele erinnern an Albrecht von Wallenstein

Bei allen Wallensteinfestspielen in Cheb/Eger blieb das Andenken an den fünften Aufenthalt des berühmtesten Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges in der Stadt und an seine Ermordung am 24. Februar 1634 meist nur im Hintergrund, denn diese historischen Feiertage sollten stets fröhlich sein.

Einmal aber besuchte der Darsteller Wallensteins dann dennoch auch das Pachelbelhaus, heute Krajské Muzeum Cheb (Bezirksmuseum Eger), und das Schlafzimmer, in dem sein berühmtes Vorbild ermordet wurde – im Jahre 2013.

 

Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein wird immer wieder von dem Schauspieler Miroslav Kněbort dargestellt. Dieser wurde am gleichen Tag und angeblich auch zur gleichen Stunde wie sein berühmtes Vorbild –  allerdings  380 Jahre später – geboren. Deshalb ist er seit seiner Kindheit von dem Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee begeistert: „Albrecht von Wallenstein war ein großer Staatsmann und Stratege, die Städte blühten unter seiner Regierung auf. Die Baudenkmäler, die er in Prag oder Jičín hinterließ, sind ein Beweis eines großen Geistes.“

 

Auf dem Egerer Marktplatz herrscht lebhaftes, mittelalterliches Treiben. Soldaten, Händler, Gaukler und Marketenderinnen, sogar der Bürgermeister und auch viele Bürger der Stadt sind in historische Gewänder gekleidet.

Fanfaren erklingen und ein Herold kündigt das Erscheinen des berühmten Gastes an.

Dann erscheint Albrecht von Wallenstein hoch zu Ross und wird feierlich auf die Bühne begleitet.

Musketiere schießen zu Ehren ihres Feldherrn einen Salut. Das Egerer Stadtoberhaupt, Pavel Vanoušek, hält eine feierliche Begrüßungsrede. Darauf folgt ein festliches Konzert mit Musik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Nun begibt sich der berühmte Gast auf einen Rundgang über den Marktplatz. Er besichtigt die mittelalterlichen Verkaufsstände, spricht mit den Kindern und gibt huldvoll vielen Bürgern die Gelegenheit, sich mit ihm fotografieren zu lassen.

Danach aber schreitet er feierlich zum Pachelbelhaus, der Stätte seiner Ermordung im Jahre 1634. In der Vorhalle werden ihm die Ehrengäste vorgestellt.

Nachdem sich Albrecht von Wallenstein in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hat, werden die Gäste zu einem kleinen Imbiss in den Innenhof eingeladen. Obwohl jeder weiß, dass hier im Jahre 1634 sein Leben gewaltsam zu Ende ging, wird vor der Besichtigung des Hauses noch auf das Wohl des Feldherren angestoßen.

 

Tatort Schlafzimmer

Als der Schauspieler Miroslav Kněbort das Schlafzimmer betritt, ist dort ein Hemd ausgestellt, wie es Wallenstein bei seiner Ermordung getragen hat. Eine Hellebarde ist darauf gerichtet und auf dem weißen Leinen ist ein Blutfleck zu sehen.

Als die Museumsdirektorin einen Vortrag über den Lebenslauf Wallensteins hält, zeigt dieser große aristokratische Gelassenheit und sogar Sinn für Humor.

Seine Eheschließung mit der sehr viel älteren Witwe Lukrezia Neksch von Landek hatte ihm großen Reichtum und gesellschaftlichen Aufstieg eingebracht. Vermutlich war dies keine Liebesheirat. Der Darsteller von Wallenstein aber stellte aber diplomatisch fest: „Sie war eine sehr edle Dame und auch noch in den besten Jahren.“

Den Bericht über die sehr effektive ökonomische Verwaltung seiner Besitztümer und die herausragenden militärischen Erfolge – dank einer sehr sorgfältig geplanten Strategie aller

Feldzüge – kommentierte er mit den Worten: „Eine Blamage, wie sie Napoleon auf seinem Russlandfeldzug einstecken musste, das wäre Wallenstein nie passiert.“

Als schließlich die Rede auch noch auf seine Ermordung kam, bedauerte er den Vorfall und entschuldigte sich fast: „Wallenstein hatte leider keine Chance sich zu verteidigen.“ Dann deutete er auf den Blutfleck auf dem Hemd und sagte tadelnd: „Jetzt wird es aber langsam Zeit, dass dieses Nachthemd da endlich gewaschen wird!“

Nach dem Besuch des Pachelbelhauses steht eine Inspektion auf der Egerer Burg auf dem Programm.

Wallenstein verabschiedet sich von den Ehrengästen mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen allen ein angenehmeres Ende, als ich es hier gehabt habe.“

 

Günther Juba

 

Fotos:

o   Begrüßung Wallensteins durch den Egerer Bürgermeister Dr. Pavel Vanoušek

o   Salutschüsse der Musketiere zu Ehren des Feldherrn

o   Wallenstein betrachtet das blutige Hemd und die tödliche Hellebarde

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 20.10.2014 / 20.10.2014

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