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Ein berühmtes Lied aus Waldsassen

Ein berühmtes Lied aus Waldsassen

 

Eines der beliebtesten Lieder der evangelischen Kirche wurde am 2. Juli 1569 in Waldsassen geschrieben.

Schon im Jahre 1556 hatte man im Stiftland die Reformation eingeführt. Nun aber war der hochgeachtete lutherische Theologe Martin Schalling nach Waldsassen geflohen. Als Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz in Heidelberg den Calvinismus einführen wollte, hatte er heftigen Widerstand geleistet und wurde deshalb seiner Pfarrstelle in Amberg enthoben. Schalling kam nach Waldsassen, weil der Norden der Oberpfalz noch lutherisch gebliebenen war. Hier schrieb Schalling sein berühmtes Lied „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“ (EG 397, das unter anderem von Dietrich Buxtehude (Cantata), von Heinrich Schütz (Geistliche Chormusik) und von Johann Sebastian Bach (am Schluss der Johannespassion) vertont wurde.

 

Herzlich lieb hab ich dich, o Herr; ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade. Die ganz Welt nicht erfreuet mich, nach Himml und Erden frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist du doch mein Zuversicht, mein Heil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, in Schanden lass mich nimmermehr!

 

Dieser Text entstand während seines Aufenthaltes in Waldsassen, am 2. Juli 1569 („am Tag der Heimsuchung Mariae“), als Abschlussgebet einer Predigt.

Später ergänzte Schalling das Lied durch zwei weitere Strophen.

 

Als Anhänger Philipp Melanchthons stand Martin Schalling stets im Kreuzfeuer zwischen den Lutheranern und den Calvinisten. Die theologischen Streitigkeiten jener Zeit prägten seinen Lebensweg. Er führte ein unruhiges Leben, war u. a. Hofprediger und Superintendent, wurde aber insgesamt viermal von seinen Pfarrstellen vertrieben, einmal sogar gefangengesetzt. Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens war er Prediger in Nürnberg.

Martin Schallings Aufenthalt in Waldsassen war nur kurz, denn Kurfürst Friedrich III. führte auch hier die Calvinistische Konfession ein. So kam es im Oktober 1619 zu dem verhängnisvollen Besuch seines Enkels, Friedrich V. von der Pfalz, des sog. „Winterkönigs“, der nach der verlorenen Schlacht auf dem Weißen Berge – in Böhmen und ebenso auch in der seitdem bayerischen Oberpfalz – die „Gegenreformation“, die Wiedereinführung des Katholizismus zur Folge hatte.

 

 

Günther Juba

 

Bild:

Martin Schallings erste Strophe seines Liedes

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