Cheb hilft den Flüchtlingen aus der Ukraine

Schon am Wochenende wurden in Cheb ukrainische Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet aufgenommen. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist groß, denn man kennt bereits viele Ukrainer persönlich, weil sie seit Jahren in der Stadt arbeiten. Simona Liptáková, die Pressesprecherin der Stadt, dazu: „Wir erhalten Dutzende von Angeboten für alle möglichen Dinge. Die Menschen bieten Unterkünfte, Kleidung, Möbel, Spielzeug, Waschmaschinen, Kühlschränke und vieles mehr an.“

Diese Welle der Hilfsbereitschaft wird im Rathaus koordiniert: „Eine Familie, die vor zwei Tagen aus der Ukraine einreiste, um Verwandte und ihre kleinen Kinder zu besuchen, wandte sich an mich und teilte mir mit, dass eines der Kinder dringend medizinische Hilfe benötige. Das Kind hatte Verdauungsprobleme und Durchfall“, sagte Jiří Černý, stellvertretender Bürgermeister von Cheb, der die Hilfsaktionen für die aus der Ukraine ankommenden Menschen leitet. Er lud die Familie und ihr Kind sofort in sein Auto und fuhr sie persönlich ins Krankenhaus. „In diesem Moment war das einfacher, als schnell jemanden zu finden.“

Darüber hinaus kümmert sich das Rathaus auch um materielle Hilfe, d. h. um Nahrungsmittel, Hygieneartikel und Kleidung, sowie um Spielzeug für Kinder.

„Ich bringe sie zu einem Lagerhaus, wo sie sich aussuchen können, was sie brauchen. Wir werden auch an alle Sportvereine, Clubs und Interessenverbände herantreten, um zu sehen, ob es möglich wäre, den Ukrainern nach einigen Tagen der Akklimatisierung einige Aktivitäten oder Sportarten anzubieten. Die Idee ist, dass vor allem Kinder Spaß und Aktivitäten in ihrer Freizeit haben sollten, damit sie vergessen, dass sie hier sind, dass ihre Verwandten in der Ukraine sind und vielleicht kämpfen“, erklärte Černý.

Für die Flüchtlinge sollen auch „Crash-Kurse“ in Tschechisch angeboten werden. Auch hat man damit begonnen, örtliche Firmen herauszufinden, die Neuankömmlinge zumindest für ein paar Stunden am Tag beschäftigen wollen. „Es geht darum, diesen Menschen etwas zu tun zu geben, damit sie nicht immer nur darüber nachdenken, was sie durchgemacht haben und noch zu erwarten haben. Bei einer angeschlagenen Psyche kann die Arbeit eine große Hilfe sein“, erklärte Černý. „Zunächst einmal müssen sie sich nach einer so langen Reise ausruhen, einige sind schon seit drei Tagen unterwegs. Während der Woche werden wir uns um alles kümmern, was sie brauchen.“

Auch in anderen Städten der Region Cheb gibt es eine Welle der Solidarität mit den Flüchtlingen: In Franzensbad stehen schon jetzt mehr als 150 Betten, vor allem in den Kurhotels, zur Verfügung. Asch bereitet inzwischen Unterkünfte für mindestens 80 Personen vor. Marienbad hat 25 sofort verfügbare Plätze, und die Hoteliers haben weitere Zimmer in Aussicht gestellt. Auf der Kolonnade wird täglich die ukrainische Hymne gespielt.

 

Günther Juba

Foto (Martin Stolař):

Mit ukrainischen Fahnen (wie hier am Stöckl) bekunden die Menschen ihre Solidarität.