Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ hat sich Cheb (Eger) wieder in eine attraktive Stadt verwandelt. Sogar in kleinen Details sind die Straßen und Plätze der Altstadt schöner geworden. Früher gab es an vielen Häusern Nischen, die mit kleinen Statuen oder Bildern geschmückt waren, Zeugnisse des Glaubens, der Familiengeschichte oder der Berufe ihrer Bewohner. Im Laufe der Zeit aber sind sie verschwunden. In diesen Nischen kann man jetzt 17 neue Statuen und Bilder bewundern, die zum Nachdenken oder zum Staunen anregen, manchmal aber auch Heiterkeit bewirken. Sie sind zwar modern gestaltet, aber dennoch immer den historischen Gebäuden angepasst.
Der Leiter der Egerer Galerie 4, Zbyněk Illek, hatte die Idee, diese leerstehenden Nischen mit neuen Plastiken oder Gemälden zu füllen. Es gelang ihm, namhafte Künstler aus der ganzen Tschechischen Republik zur Mitarbeit zu gewinnen. In den Jahren 2007 bis 2011 – anlässlich des 950. Jahrestags der ersten schriftlichen Erwähnung von Eger – wurde das Projekt „die Nischen von Eger“ realisiert.
Eines dieser Kunstwerke ist das Keramikrelief „Nachbarn“ von Stanislava Konvalinková. Es zeigt zwei übereinander geschobene Gesichter. Während das obere, größere Gesicht mit weit offenen Augen in die Welt blickt, sind die Augen des unteren Gesichtes mit den Händen bedeckt.
Dargestellt ist, was Nachbarschaft bedeuten kann: eine bewährte freundschaftliche Beziehung, ein vertrautes Miteinander und Füreinander oder aber ein neugieriges Beobachten, geprägt von Misstrauen, vielleicht sogar Feindschaft.
„Die Gesichter stellen Beobachter dar, Wächter über Schicksale, stille Nachbarn, Zeitzeugen, die mehr als andere erlebt haben“, kommentiert die in Český Krumlov (Krumau) lebende Künstlerin, die unter anderem an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat, ihr Relief. Frau Konvalinková ergänzt: „Die Platzierung der Plastik an einer Hausfassade auf dem zentralen Platz der Stadt betont die Symbolik der Geschichte von Cheb noch zusätzlich.“
Das Kunstwerk „Nachbarn“ befindet sich am Marktplatz (nám. Krále Jiřího z Poděbrad) in der Nähe zur Einmündung der Židovská (ehem. Judengasse). Günther Juba
Foto: Keramikrelief von Stanislava Konvalinková
