Ein neuer Pfarrer für die Nikolauskirche

Ein neuer Pfarrer für die Nikolauskirche

 

Nachdem Petr Hruška zum Generalvikar der Diözese Plzeň (Pilsen) befördert wurde, ist nun Libor Buček neuer Pfarrer der Nikolauskirche in Cheb (Eger). Von den Mitgliedern seiner Kirchengemeinde wird als „netter Kerl“ beschrieben, bei dem man zunächst kaum erraten würde, dass er Geistlicher ist. Er ist sportlich, fährt im Winter gerne Snowboard oder spielt in der Halle Volleyball, im Sommer spielt er Fußball und fährt gerne Motorrad. Er gibt zu, dass er dafür schon einige Strafzettel bekommen hat. Libor Buček ist 45 Jahre alt, sieht aber viel jünger aus.

 

Sein Lebenslauf führte ihn erst auf Umwegen zum Priesterberuf. Er besuchte zunächst eine Baugewerbeschule: „Direkt nach der Hochschule habe ich in einer Baufirma angefangen, hatte eine Mannschaft von zwölf Leuten und habe die Pläne für das Gebäude und die grüne Wiese bekommen. Ich weiß also, wie man arbeitet, und ich konnte gut davon leben. Aber ich habe mich oft gefragt, ob ich mein Leben damit verbringen wollte, Terminen und solchen Dingen hinterher zu jagen. Es zog mich woanders hin. Und dann begann eine ziemlich lange Reise, einschließlich des Theologiestudiums, an dessen Ende ich hier Pfarrer wurde.“

 

Pfarrer Buček stammt aus dem Osten des Landes, aus Mähren, wo die Kommunisten bei der Bekämpfung der Religion weniger erfolgreich waren als im Westen. Auch in seiner Familie ist die religiöse Tradition noch lebendig geblieben. Bevor er nach Cheb kam, war er Gemeindepfarrer und Krankenhausseelsorger. Den Wechsel aus einer christlich-konservativen Region in das weitgehend atheistische Grenzland erlebte er gleich bei seiner Ankunft: „Eine Dame begrüßte mich in Cheb mit den Worten: Hier im Wilden Westen halten wir die Dinge einfach. Wir lassen uns nicht scheiden, wir werfen lieber einen Föhn in die Badewanne des Ehemannes.“

Libor Buček hat, trotz dieser Warnung, inzwischen festgestellt: „Die Gemeinde Eger ist ein ausgezeichneter Ort zum Leben.“ In seiner Heimatregion „war alles so viel organisierter. Hier ist es viel individueller. Oft ruft mich jemand an und vereinbart ein Treffen mit mir. Die Leute sprechen mich nicht so oft in der Kirche an, sondern eher privat. Ich glaube, das braucht Zeit. Vertrauen ist wichtig.“

 

Zur kommenden Osterzeit sagt er: „Sie wird für mich umso interessanter, je älter ich werde. Das Geheimnis des Lebens spricht mich immer mehr an. Wenn ich gefragt werde, was nach dem Tod passieren wird, stelle ich mir vor, dass es besser sein wird als jetzt. Aber ich habe kein Patent auf Vernunft. Die Menschen glauben, dass die Theologen alles wissen, dass sie wissen, wie die Dinge im Jenseits sein werden. Es ist gut und sehr anregend, dass jeder von uns den Glauben auf seine eigene Weise sieht. Unnatürlich wäre es, wenn es anders wäre, weil das Leben so komplex ist. Der Glaube ist keine limitierte Auflage.“

Scherzhaft fügt er hinzu: „Jemand hat mir einmal gesagt: Nur wenige Menschen bedauern auf dem Sterbebett, dass sie nicht länger in ihrem Büro geblieben sind. Das gefällt mir.“

 

Günther Juba

 

Foto:

Libor Buček, der neue Pfarrer von Cheb