Ein besonderes Geschenk für den Münchner Liebfrauendom

Als Zimmermeister Josef Hauer aus Altergründen im Jahre 2006 seine berufliche Tätigkeit beendete, ging er dennoch noch lange nicht in den wohlverdienten Ruhestand. Er bewunderte die Meisterleistungen vergangener Zeiten, als große Kirchen, Schlösser und Rathäuser mit Dachstühlen überbaut werden mussten: „Man kann heute nur staunen, was die damaligen Handwerker für eine Leistung vollbracht haben, ganz ohne Maschinen!“

Begeistert begann er, diese historischen Dachkonstruktionen in Modellen, originalgetreu, im Maßstab 1:10 oder 1:15, nachzubauen. Sogar die „Zimmermannsverbindungen“ und die winzigen Nägel aus Holz entsprechen dem Original. Weil er es gewohnt war, immer fleißig zu sein, arbeitet er nun täglich von 7 bis 16.30 Uhr in seiner Werkstatt. So entstanden 37 Dachstuhl-Modelle von besonderen kirchlichen und weltlichen Gebäuden.

Er schenkte 27 dieser kostbaren Modelle der Stadt Eger/Cheb, da sie hier im historischen Speicherhaus sehr eindrucksvoll gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Das Ensemble an historischen Dächern der Patrizierhäuser auf dem Egerer Marktplatz, sowie die Ausstellung „Die verkleinerte Welt der historischen Dachstühle“ im mittelalterlichen Speicherhaus gehören seitdem zu den besonderen touristischen Attraktionen der Stadt.

Zum Dank für dieses großzügige Geschenk wurde Josef Hauer im Jahre 2020 von Bürgermeister Jalovec als „Persönlichkeit des Jahres“ ausgezeichnet.

Auch sein größtes Werk, das Modell des Münchner Liebfrauendoms, dessen Dachstuhl im 15. Jahrhundert erbaut und im Jahre 1945 zerstört wurde, ist im Egerer Speicherhaus ausgestellt. Es besteht aus 3071 Einzelteilen. Hauer hat daran 12 Monate gearbeitet.

Inzwischen wurde der fast 86jährige Zimmermeister von der Münchner Dompfarrei darum gebeten, ein Querschnittmodell vom ursprünglichen Dachstuhl der Liebfrauenkirche zu fertigen, welches im Südturm des Doms aufgestellt werden soll und von den Besuchern bei der Turmbesteigung besichtigt werden kann.

Trotz seiner bedauerlichen gesundheitlichen Verfassung konnte Josef Hauer diesen Wunsch erfüllen – sein „letztes Werk“. Dieses Querschnittmodell konnte er in Parkstein an Daniel Reichel, Domkapitular der Erzdiözese München-Freising, übergeben. Dieser bedankte sich herzlich im Namen der Dompfarrei für das einzigartige Geschenk und bedauerte, dass Josef Hauer sein Modell krankheitsbedingt nicht mehr selbst nach München bringen kann. Gerne hätte die Dompfarrei eine Dom- und Dachstuhlführung für ihn durchgeführt. Dieses Angebot werden nun seine Tochter Carolin und Karl Müller, Verbindungsobmann der Zimmerleute zwischen Deutschland und Tschechien, annehmen. Günther Juba

Foto:

Josef Hauer, Domkapitular Daniel Reichel und Karl Müller präsentieren das Querschnittmodell der Münchner Liebfrauenkirche