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Die Kappl – ein dreifacher Lobpreis an den dreieinigen Gott.

Die Kappl – ein dreifacher Lobpreis an den dreieinigen Gott.

 

Von Waldsassen aus führt ein historischer Pilgerweg auf den Glasberg. Ziel der frommen Wallfahrer ist eine einzigartige Rundkirche, eine architektonische Veranschaulichung der göttlichen Dreifaltigkeit, geschaffen von dem genialen Barockbaumeister Georg Dientzenhofer.

 

Schon seit der Gründung des Klosters Waldsassen (1133) hatte dieser Ort spirituelle Bedeutung: Laienbrüder kamen als Hirten hierher. Sie hängten zum Gebet an einem Baumstamm ein Bild des dreifaltigen Gottes auf, welches sie bald als wundertätig verehrten. Zum Schutze dieses Gnadenbildes und auch der Wallfahrer ließ Abt Daniel (1161-1194) eine Kapelle erbauen.

Diese wurde zweimal zerstört und dann wieder aufgebaut. Seit der Reformation, vor allem im Dreißigjährigen Krieg, verfiel die Kapelle aber immer mehr.

Nachdem die Oberpfalz bayerisch – und deshalb wieder katholisch – geworden war, erregte (1644) eine wundersame Krankenheilung bei dem Gnadenbild großes Aufsehen. Es kamen wieder viele Wallfahrer und man erbaute erneut eine Kapelle.

 

Nach der Rückkehr der Mönche in das Kloster Waldsassen begann im Jahre 1685 der Neubau der Stiftskirche (heute Basilika). Bei einem Spaziergang an dem Flüsschen Wondreb fiel dem genialem Barockbaumeister Georg Dientzenhofer ein Weidenbaum auf, dessen Stamm sich in drei Äste teilte. Für ihn war dies eine Veranschaulichung der Dreifaltigkeit und so kam ihm die Idee zu der ungewöhnlichen Gestaltung einer viel größeren Wallfahrtskirche auf dem Glasberg:

Im Zentrum des Grundrisses plante er das Dreieck, Symbol der Dreifaltigkeit. Der Kreis, Symbol für die Ewigkeitaufgeteilt in drei Halbkreise, umgibt dieses Dreieck, an deren Enden er die drei Rundtürme stellte. Die drei Altäre sind Gott Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geist gewidmet. Drei Türmchen überragen die drei Halbkuppeln.

Der barocke Rundbau entstand von1685 bis 1689 – über der kleinen Wallfahrtskapelle, die erst danach abgerissen wurde. Sie ist auf dem Gemälde des Hauptaltars abgebildet.

Als Bezahlung nahm Georg Dientzenhofer nur ein Gesellengeld an.

Die Kappl ist von einem Rundgang, einem Kreuzgang, umgeben, der es den Gläubigen ermöglichte, auch bei schlechtem Wetter Prozessionen um den dreigeteilten Kirchenraum durchzuführen.

 

Die drei Altäre und der Prospekt der bis heute in ihrem Originalzustand erhaltenen Barockorgel sind vermutlich das Werk des berühmten Bildhauers Karl Stilp.

Bei einem Brand im Jahre 1880 wurden der Dachstuhl beschädigt und die Bemalung der Kuppel zerstört. Die drei Deckengemälde wurden in der Zeit von 1934 bis 1940, in dem damals aktuellen Stil, neu gestaltet. 

Um 1698 errichtete man auf dem Pilgerweg von Waldsassen zur Kappl fünfzehn barocke Stationssäulen mit den Bildmotiven des Rosenkranzes. Die Prozessionen aus der Nachbarstadt Eger beobachtete man in Waldsassen etwas spöttisch: „Er schnauft wie ein Egerer Wallfahrer“ sagte man, wenn jemand völlig außer Atem war.

 

Sehr viele Besucher kommen alljährlich am 1. Sonntag nach Pfingsten (Trinitatis) zum „Kapplfest“. Nach den Gottesdiensten treffen sich die Kirchgänger an den Marktständen und feiern im Festzelt oder im Biergarten.

Ein besonderes Ereignis ist der Gottesdienst zum Feste Christi Himmelfahrt, denn nach einem barocken Brauch wird eine Statue des auferstandenen Heilands hochgezogen, welche dann durch eine Öffnung in der Kuppel entschwindet.

 

Günther Juba

Fotos:

Die Kapplkirche, Ziel des Stationsweges

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 24.3.2020 / 24.3.2020

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