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Cheb/Eger im Mittelpunkt europäischer Politik

Eine Stele erinnert an die Verkündigung der „Goldenen Bulle von Eger“ im Jahre 1213

 

Im Jahre 1213 erschien  Friedrich II., Enkel des Kaisers Friedrich Barbarossa, als neugewählter König zum Reichstag in Eger.

Friedrich war erst achtzehn Jahre alt und hoffte, mit Hilfe des Papstes seinen Herrschaftsanspruch gegenüber dem Welfenkaiser Otto IV. von Braunschweig durchzusetzen zu können und dann von Innozenz III. zum Kaiser gekrönt zu werden. Deshalb machte er mit der „Goldenen Bulle von Eger“ weitgehende Zugeständnisse an die Kirche.

Vom Palas der Burg aus begaben sich die hohen Herren am 12. Juli 1213 in feierlichem Zuge über eine Galerie in den oberen (nur für den Adel bestimmten) Teil der Doppelkapelle. Nach einem Festgottesdienst wurde die „Goldene Bulle von Eger“ feierlich vorgelesen und vor den Augen der zum Reichstag geladenen Fürsten unterzeichnet.

 

Ein Dokument von großer historischer Bedeutung

 

Als eine „Urkunde von größter Wichtigkeit für die Geschichte Europas“ bezeichnete  Michal Pospíšil Vizebürgermeister von Cheb/Eger den Erlass des damals  erst 18jährigen Königs:

„Mit der Goldenen Bulle aus Eger ordnete Friedrich II. die Beziehungen zwischen der weltlichen und kirchlichen Gewalt. Es handelte sich um eine Urkunde, die für ganze Europa bedeutsam war.“

Bei ihrer Unterzeichnung waren eine Reihe von kirchlichen und nicht-kirchlichen Würdenträgern anwesend, unter anderem der böhmische König Premysl Otakar I., der päpstliche Nuntius, der bayerische Herzog Ludwig, der österreichische Herzog Leopold und auch eine große Zahl von  Erzbischöfen und Bischöfen. Ohne Übertreibung kann man sagen, daß die Egerer Burg am diesen Tag zum Mittelpunkt der ganzen damaligen christlichen Welt erhoben wurde.“

 

Gedenkfeier, 800 Jahre danach

 

In Erinnerung an dieses historisch bedeutsame Ereignis hat das „Komitee der Stauferfreunde“ aus Stuttgart zu diesem Jubiläum vor der Egerer Burg eine Stele errichten lassen – zum historischen Gedenken an die Dynastie der Staufer, ebenso aber auch als gegenwartsbezogene Geste der freundschaftlichen Verbundenheit im europäischen Geiste.

 

Am 12. Juli 2013 – genau 800 Jahre später – fand in der Nikolauskirche ein Festgottesdienst mit Bischof  Franitšek Radkovsky aus Pilsen, Generalvikar Michael Fuchs aus Regensburg, und weiteren kirchlichen Würdenträgern statt. Die musikalische Gestaltung übernahmen der Chor der Basilika Waldsassen, sowie die Waldsassener Blechbläser.

 

Danach folgte vor dem Eingang zur Egerer Burg die feierliche Enthüllung einer Stauferstele, gestiftet von Frau Annemarie Marliese Meissner (Komitee der Stauferfreunde).

Diese Säule ist 2,75 Meter hoch, aus Jura-Marmor aus dem Altmühltal gefertigt und 4,5 Tonnen schwer. Ihr oberer Teil ist mit einem breiten goldenen Rand verziert.

Auf der Stele sind die Wappen von Böhmen und von Eger, sowie die Wappen der Staufer und des Römischen Reichs zu sehen. In tschechischer und deutscher Sprache wird an das Wirken der Staufer im Egerland erinnert.

 

Die Aufschrift lautet:

GOLDENE BULLE

VON EGER

  1. JULI 1213

FRIEDRICH II.

GESTATTET

DIE FREIE BISCHOFSWAHL

IM REICH

UND SORGT FÜR DIE

LETZTE GRÖSSERE

ERWEITERUNG DES

KIRCHENSTAATES

 

 

Stauferstelen verbinden viele Länder Europas

 

 „Geschichte, Kunst und Kultur der staufischen Zeit sind ein Lehrstück für die geistige Gemeinsamkeit und Ausstrahlungskraft Europas.“ Dies sagte der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel im Jahre 1977.

Das im Jahre 2002 gegründete „Komitee der Stauferfreunde“ betrachtet die Dynastie der Staufer als „das edelste Geschlecht, das je die deutsche Krone getragen“: Diese hat im Hochmittelalter drei Kaiser und sieben Könige hervorgebracht und hatte „völkerübergreifende Bedeutung von europäischer Dimension“.

Zum Andenken an diese Zeit des Hochmittelalters haben die Stauferfreunde bereits über zwanzig Stauferstelen in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Belgien errichtet, finanziert privaten StifternNach Auskunft der „Stauferfreunde“ gibt es noch mehr als hundert weitere historische Stätten in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Italien, Österreich, Schweiz, Spanien und sogar im Nahen Osten, die mit den Staufern in engem Bezug stehen. Diese Länder sollen durch die Errichtung der Stauferstelen, aus historischem Anlass, symbolisch miteinander verbunden werden.

 

Warum hat die Stauferstele einen achteckigen Grundriss?

 

Der Bildhauer Markus Wolf gab seinem Denkmal eine beziehungsreiche Form.

Acht Ecken hat die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches, welche durch das goldene Band symbolisiert werden soll.

Der Grundriss der von Friedrich II. gebauten süditalienischen Burg Castel del Monte ist ebenfalls achteckig. Diese wird als eine der schönsten, aber auch geheimnisvollsten Bauten des Mittelalters bezeichnet.

Acht Ecken hat auch die Pfalzkapelle in Aachen, wo Friedrich II. zum König gekrönt worden war, achteckig ist auch der „Barbarossaleuchter“.

 

Günther Juba

Fotos: 

Der obere Teil der Doppelkapelle, Ort der Verkündigung der „Egerer Bulle“

Enthüllung der Stauferstele am 12. Juli 2013

Verantwortlich: Tourist-Information
Entstanden / aktualisiert: 28.7.2014 / 28.7.2014

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