Der neu gewählte Präsident Petr Pavel zu Besuch in Cheb

Der neu gewählte Präsident Petr Pavel zu Besuch in Cheb

 

Die erste Reise des künftigen Präsidenten Petr Pavel seit seiner Wahl im Januar führte in die Region Karlovy Vary (Karlsbad). Bei seinem zweitägigen Aufenthalt kam er mit seiner Gattin Eva auch in die Stadt Cheb. Er besuchte zunächst kurz das Rathaus. Hier wurde er von Bürgermeister Jan Vrba (ANO) begrüßt. Pavel trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein und besprach dann das weitere Arbeitsprogramm seines Aufenthalts in der Region.

Bei seinem Besuch im Kindergarten „Klubíčko“, in dem besonders viele Kinder aus der Ukraine aufgenommen wurden, versprach der neugewählte Präsident, mit einer Spende aus den Überschüssen des Wahlkampfes zu helfen.

Dann besichtigte er das Unternehmen BWI, welches in der Industriezone Stoßdämpfer und Bremsen für Autos herstellt. Dieses chinesische Unternehmen bietet mehr als 200 Arbeitsplätze und hat nach Ansicht von Pavel einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Region geleistet. Er betonte, dass gegen chinesische Investitionen oder den Handel mit dieser asiatischen Macht an sich nichts einzuwenden sei. Was ihn aber stört, sind Unternehmen wie Huawei, die eng mit dem chinesischen kommunistischen Regime verbunden sind und ein Sicherheitsrisiko darstellen können.

Der künftige Präsident sieht ein großes Problem der Region in der mangelnden Lebensqualität, weil junge und qualifizierte Menschen abwandern, um anderswo zu leben oder in Deutschland zu arbeiten. Die Gegend sei aber in vielerlei Hinsicht attraktiv und biete viele Entwicklungschancen. „Es liegt im Interesse der gesamten Gesellschaft, bestimmte Regionen stärker zu fördern“.

Mit seinem Besuch in der Region Karlovy Vary löste Pavel ein Versprechen ein, das er kurz nach seiner Wahl gegeben hatte. Er zeigt Verständnis für den Teil der Öffentlichkeit, der ihn nicht wohlwollend aufgenommen habe. „Es ist nur natürlich, dass nicht alle gejubelt haben. … Aber gleichzeitig habe ich deutlich gemacht, dass ich die Probleme aller Bürgerinnen und Bürger lösen will, auch derjenigen, die nicht für mich gestimmt haben. Und die Tatsache, dass ich in dieser Region bin, beweist, dass ich ihnen zuhören will“.

Während Petr Pavel bei der Stichwahl am 27./28. Januar mit einem überraschend großen Erfolg (58,32 %) gewählt wurde, bekam in vielen Grenzregionen des Landes sein Kontrahent Andrej Babiš (ANO) die Mehrheit der Stimmen. In Cheb hatten sich 51,17 % der Wähler für Babiš entschieden, obwohl dieser vor zwei Jahren die Gegend als „historisch gesehen die schlechteste Region“ verspottet hatte und die angebotene Hilfe bayerischer und sächsischer Krankenhäuser zur Aufnahme von tschechischen Covid-Patienten nicht angenommen werden durfte.

Petr Pavel wird bereits am 21. März Deutschland besuchen. Er will mit seinem Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier u. a. auch über die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im medizinischen Bereich sprechen.

An der Sicherheitskonferenz in München hat der designierte tschechische Präsident bereits teilgenommen und dabei erste Kontakte für seine zukünftige Rolle als Staatsoberhaupt geknüpft. Hier erhielt er von dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder eine Einladung zu einem offiziellen Besuch in München.

Zu seiner Amtseinführung am 9. März sollen auch die Präsidenten der umliegenden Staaten eingeladen werden.

Günther Juba

 

Foto (Martin Stolař):

Petr Pavel mit seiner Gattin Eva auf dem Markplatz von Cheb